Autodidaktisches Lernen

In der Literatur werden die Begriffe fremdgesteuertes selbstgesteuertes selbstverantwortes autodidaktisches Lernen unterschiedlich verwendet.

Hier ein eigener Versuch einer Begriffsklärung.

Fremdgesteuertes Lernen

Bei fremdverantwortetem Lernen übergibt man an einen Lehrer die Hauptverantwortung dafür, dass man etwas lernt. Der Lehrer ist aktiv, erklärt, zeigt, stellt Aufgaben, unterstützt bei der Lösungsfindung, korrigiert, gibt Feedback. Die wichtigste Aufgabe des Lehrers bei fremdverantwortetem Lernen besteht darin, uns anzutreiben und unseren inneren Schweinehund zu besiegen. Wir bezahlen ihn, damit er uns Selbststeuerung und Selbstverantwortung abnimmt.

Selbstgesteuertes Lernen

Selbstgesteuertes Lernen ist Lernen "an der lange Leine": Die eigenen Lernaktivitäten werden selbst in Eigenregie geplant und durchgeführt, wobei man sich aber darauf verlassen kann, dass das wohlwollende Auge des Lehrers auf uns ruht. Der Lehrer ist immer noch aktiv, erklärt, zeigt, stellt Aufgaben, unterstützt bei der Lösungsfindung, korrigiert, gibt Feedback. Wie wir diese Lernstrukturen im Detail ausführen ist unsere Sache. Beim Lehrer bleibt die Verantwortung, sowohl für das Lehr-Lern-Arrangement wie auch für Anreit und Kontrolle, was und ob wir lernen.

Selbstverantwortetes Lernen

Bei selbstveranwortetem Lernen übernimmt man selbst mehr Verantwortung für das eigene Lernen - auch mit Lehrer. Aber weil der Antrieb und die Verantwortung für unser Lernen aus uns selbst kommt, muss der Lehrer kein Domteur mehr sein für unseren inneren Schweinehund. Im Gegenteil: Ein guter Lehrer lässt uns möglichst viel selbst machen, selbst ausprobieren, selbst erschließen. Er lehrt, indem er unser Lernen lediglich unterstützt, aber nicht antreibt. Das Gebot der Stunde heiß hier "Minimale Hilfe", "Hilfe zur Selbsthilfe" oder nach Maria Montessori "Hilf mir, es selbst zu tun".

Autodidaktisches Lernen

Unter autodidaktischem Lernen kann man selbstverantwortetes Lernen verstehen, bei dem man möglichst viele Lehrfunktionen selbst übernimmt, die man sinnvollerweise übernehmen kann. Das heißt nicht, dass man alleine lernt, im Gegenteil: bestimmte Lernziele erfordern einen Diskussions- oder Sparring-Partner, einen Experten, einen Berater, einen Coach. Dennoch behält man die Gesamtverantwortung bei sich, ist sein eigener Generalunternehmer in Sachen lernen, ist sich selbst sein eigener Lehrer.