Thesaurus-Aufgabentypen

Versuch: Taxonomie von Lernzielen für Wissen, das in thesaurierter Form vorliegt, plus standardisierte Aufgabentypen; ordnet sich ein in eine Historie, insbes. Lernzieltaxonomie Bloom etc. ca 1970 (Deutscher Bildungsrat) | Anderson u. Krathwohl 2001 : https://spatkinson.files.wordpress.com/2012/10/slide1.jpg | Biggs SOLO-Taxonomy : http://www.johnbiggs.com.au/wp-content/uploads/2013/01/solo_taxonomy.jpg

Idee hier: Zunehmende Aufgaben-Komplexität durch zunehmende Strukturierung in einem semantischen Netz, insbes. Thesaurus:

  • Typ E (extensional): Den Inhalt (Extension) eines Begriffs kennen
  • Typ I (intensional): Einen Begriff (als Begriff, Intension) erläutern können
  • Typ R (relational): Nahfeld eines Begriffs im Begriffsnetz beschreiben können
  • Typ G (global): Das Begriffsnetz als Netzwerk beschreiben können
  • Relationen in unserem Thesaurusmodell: "broader term" (BT), "is a" (ISA), "is part of" (PARTOF), "is related to" (REL), "is xyz-related to" (REL_xyz), "has definition" (DEF), has synonym / acronym / label (SYN).

Wichtig: In den meisten Texten steckt sehr viel mehr als lediglich Terminologie. Aus einem Text lediglich die Begriffe herauszuholen und als Terminologie darzustellen repräsentiert also nur einen Teil der Textinhalte. Eine klare Terminologie ist allerdings eine wichtige Basis, um komplexere Zusammenhänge darzustellen.

Typ E (extensional)

Lernziele:

  • passive Sprachkompetenz: Wiedererkennen und Erläutern von Begriffen
  • aktive Sprachkompetenz: selbstständges Erinnern von Begriffen
  • Perspektive: Nur der einzelne Knoten ohne seine Nachbarn

Aufgabentypen:

  • Begriff kurz (!) erklären können: Es reicht, dass der Kommunikationspartner den Eindruck erhält, dass man vom gleichen Ding spricht
  • Acronyme auflösen
  • Definition erkennen

e-Fragen

  • (e.1) "Erklären Sie kurz, was mit ... gemeint ist"
  • (e.2) "Nennen Sie ein paar Beispiele für ..."

Typ I (intensional)

Lernziele:

  • Nähere Beschreibung von Begriffen durch Merkmale
  • Perspektive: Nur der einzelne Knoten und ggf. seine Kinder, nicht unbedingt aber seine Nachbarn

Aufgabentypen:

  • (ggf. vorbereitend: Begriff kurz erläutern lassen, Typ U)
  • Definition zum Begriff nennen
  • Begriff ausführlicher erklären ( im Thesaurus sind hier auch die Bestandteile / PARTOF geeignet)
  • ggf. Spezialisierungen nennen ( am einfachsten sind das die Unterbegriffe, im Thesaurus-Baum unterhalb von BT / ISA)

i-Fragen

  • (i.1) "Definieren Sie kurz ..."
  • (i.2) "Nennen Sie 3 charakteristische Merkmale von ..."
  • (i.3) "Welcher Begriff wird hier definiert: ..."

Mit Mindmap: "Füllen Sie die leeren Knoten sinnvoll aus".

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Typ R (relational)

Definieren eines Begriffs durch Oberbegriff (Genus Proximum) und charakteristische Merkmale (Differentia Spezifika)

Lernziel:

  • begriffliche (Nah-) Zusammenhänge;
  • Perspektive: Einzelne Knoten und ihre nahe Umgebung

Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Genus_proximum_et_differentia_specifica

Aufgabentypen

  • zwei Begriffe Unterscheiden: und Elternbegriff (genus proximum) nennen charakteristische Merkmale (differentia specifica) nennen
  • mehrere Begriffe gruppieren und Überschriften finden ( nur eine Ebene im ISA-Baum)
  • mehrere Begriffe klassifizieren ( typischerweise mehrere Ebenen im ISA-Baum)

r-Fragen

  • (r.1) "Unterscheiden Sie die Begriffe ... und ...: Nennen Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede"
  • (r.2)"Gruppieren Sie die folgenden Begriffe und finden Sie geeignete Überschriften: ..."
  • (r.3)"Klassifizieren Sie die folgenden Begriffe: ..."

Mit Mindmap: "Klassifizieren Sie die folgenden Begriffe: ..." z.B. TPS | OLTP-System | ERP-System

Typ G (global)

Lernziel:

  • begriffliche (Fern-) Zusammenhänge in einem Thesaurus;
  • Perspektive: Thesaurus aus Vogelperspektive

Aufgabentypen:

  • Gemeinsamkeiten mehrerer Begriffe erkennen
  • je zwei Begriffe / eine Menge von Begriffen nach "breiter" (BT, ISA, PARTOF) sortieren lassen

g-Fragen

  • (g.1) "Welcher Begriff fällt aus der Reihe: ..." ( z.B. Pferd | Ochse | Ziege | Traktor)
  • (g.2) "Begründen Sie Ihre Entscheidung": ( Eine Begründung nennt die beteiligten (a) direkten unterschiedlichen Oberbegriffe, (b) einen ersten gemeinsamen Oberbegriff (genus proximum) z.B.: "bewegliche Dinge in der Landwirtschaft; der Traktor ist eine Maschine, die anderen sind alles Lebewesen")
  • (g.3) "Erstellen Sie aus den folgenden Begriffen einen Baum: ..."

Typ G Beispiel mit Mindmap

"Füllen Sie die Mindmap aus".

Aufgabe zu schwer? Ggf. die Begriffe schon nennen: "Fügen Sie die folgendenden Begriffe in u.a. Mindmap ein:" BI-System Archivierungssystem | Bereitstellungsschicht | Berichtssystem | Core Data Warehouse | Data Mart | Data Mining System | Data Warehouse System | Datenquelle | Dialog- und Analyseschicht | ETL-System | externe Datenquelle | Extraktor | Integrator | interne Datenquelle | Metadaten-System | Monitor | OLAP-System | originäre Datensicht

Typ G Bespiel aus VE2

Bsp.: Vl "Grundlagen der Wirtschaftsinformatik", WS 20143, Prof. Dr. J. Wunderlich, Slide 43

Aufgabe: Ordnen Sie folgende Begriffe in 2 Gruppen und identifizieren Sie passende Überschriften. Was haben beide Gruppen gemeinsam, worin besteht der charakteristische Unterschied?

  • Betriebsmittel | Betriebsstoff | direkte Materialien | Halbfertigerzeugnis | Hilfsstoff | indirekte Materialien | Rohstoff | Werkstoff

Lösung: Die Werkstoffe und Hilfsstoffe Halbfertigerzeugnisse Rohstoffe sind direkte Materialien in der Beschaffung, und Betriebsmittel Betriebsstoffe sind indirekte Materialien.