Relationen in Semantischen Mindmaps

Gute Einführung in die Thesaurus-Praxis: http://www.willpowerinfo.co.uk/thesprin.htm

Unsere eigentliche fachliche Basis:

Hier eine Kurzanleitung für ein sehr einfaches Thesaurusmodell, mit dem wir uns im ersten Semester Wirtschaftinformatik an erste Terminologiearbeit wagen wollen.

Hierarchie-Relationen: ISA, PARTOF, BT

Hierarchie-Relationen wollen wir `1:n`-Relationen nennen. Mit ihnen lässt sich insbesondere ein Baum aufspannen.

Ihre "Richtung" in einer Semantischen Mindmap geht, falls nicht anders angegeben, von außen (den Blättern, in freemind rechts) nach innen (zur Wurzel, in freemind nach links).

is a (ISA)

"is a" (englisch) heißt einfach "ist ein", und zwar als Teilmenge-Beziehung.

Wir wollen als synonyme Aussagen betrachten:

  • Ein Pferd ist ein Tier.
  • Pferde sind Tiere.
  • Jedes Ding, das ein Pferd ist, ist auch ein Tier.
  • Die Menge der Pferde ist eine Teilmenge der Menge der Tiere.

Beispiel:

  • Lebewesen
    • ISA
      • Tier
        • ISA
          • Pferd
          • Zebra
      • Pflanze
        • ISA
          • Apfel
          • Gras

Teilmengen-Beziehungen sind *transitiv*: In obigem Beispiel kann man aus den Sätzen "Pferde sind Tiere" und "Tiere sind Lebewesen" logisch schlussfolgern, dass Pferde Lebwesen sind. ( Diese Transitivität gilt nicht für die Relation BT, s.u.)

Leserichtung in einer SMM: Von rechts nach links

is part of (PARTOF)

Komposition; "ist (physischer, logischer) Teil von"

Beispiel:

  • Fahrrad
    • PARTOF
      • Hinterrad
        • PARTOF
          • Schaltung
          • Bremse
      • Tretlager

Auch die PARTOF-Relation ist transitiv. In der Praxis kann man das dazu benutzen, eine Stückliste aller benötigten Teile eines Bauteils ( in unserer eingeschränken Wissensrepräsentation allerdings ohne die benötigte Anzahl) anzugeben.

Leserichtung in einer SMM: Von außen nach innen

has broader term (BT)

Broader Term : "broader" heißt hier sehr allgemein: "generiert mehr Treffer", "ist weniger spezifisch", "ist umfassender". Die Relation kann je nach Aufgabenstellung sehr breit interpretiert werden.

Beispiel:

  • Freizeit
    • BT
      • Reiten
        • BT
          • Pferd
          • Jockey
      • Fußball
        • BT
          • Ball
          • Torwart

Im Unterschied zu ISA oder PARTOF kann die genaue Bedeutung von "breiter" zwischen je zwei Begriffen weitgehend variieren. In obigem Beispiel ist "Reiten" in einer gewissen Hinsicht umfassender als "Pferd (Tier)", und "Freizeit" ist in einer anderen Hinsicht umfassender als "Reiten". Dennoch folgt daraus (zumindest sachlogisch) nicht, dass "Freizeit" umfassender ist als "Pferd (Tier)": BT-Beziehungen sind *nicht transitiv*!

Wir verwenden BT sozusagen als "Restklasse", also dann, wenn ISA oder PARTOF nicht angemessen erscheinen, und insbesondere dann, wenn wir keine transitiven Strukuren aufschreiben wollen.

Leserichtung in einer SMM: Von außen nach innen

Definitionen, Synonyme ud Abkürzungen: DEF,SYN

has definition (DEF)

Manchmal will man einen Begriff gerne normalsprachlich definieren, ohne sich im Detail in ausufernden Formalismen zu verlieren.

Beispiel:

  • Pferd
    • ISA
      • Rennpferd DEF ein schlankes, schnelles, wendiges Pferd
      • Brauereigaul DEF stark und kräftig, kann einen mit Bierfässern beladene Kutsche ziehen

has synonym (SYN)

Beispiel:

  • Geld
    • SYN
      • Kohle
      • Zaster
      • Schotter

Relationen "quer" zur Hierarchie: REL, REL_xxx

"Quer"-Relationen wollen wir `n:m`-Relationen nennen. Mit ihnen lässt sich ein beliebiger Graph konstruieren. Wir verwenden sie, um Begriffe in einem Baum "quer" zu hierarchischen Relationen zu vernetzen.

REL meint einfach ein unspezifisches "is related to", "hat zu tun mit". Nach Bedarf kann die sehr unspezifische Relation REL auch spezifischer notiert werden mit REL_xxx, z.B.

  • REL_hat-Arbeitsplatz
  • REL_ist-Ursache-von
  • etc.

REL wird bisweilen verwendet, um transitive ISA- oder PARTOF-Bäume sauber nebeneinander aufzubauen, statt durch BT-Relationen "hässliche", nichttransitive Strukturen zu schaffen.

Beispiel:

  • Sportler
    • ISA
      • Jockey
      • Torwart
  • Tier
    • ISA
      • Pferd (Tier)
  • Sportgerät
    • ISA
      • Pferd (Sportgerät)
      • Ball
  • Sportart
    • ISA
      • Reiten
        • REL
          • Pferd (Tier)
          • Jockey
      • Fußball
        • REL
          • Ball
          • Torwart

Es ist guter Stil, REL-Beziehungen (a) relativ sparsam, und wenn, dann (b) nur zwischen Begriffen anzulegen, die bereits anderswo schon in einem ISA- oder PARTOF-Baum angelegt sind. Sie werden zu diesem Zweck mehrfach identisch (copy & paste) angelegt.

Leserichtung in einer SMM: Von innen nach außen

Ein ganz bestimmtes Exemplar: EX

Wenn wir von Begriffen reden, reden wir im Allgemeinen über Klassen: z.B. "Häuptling" bezeichnet die Idee des Häuptlings, den "Häuptling an sich", irgendeinen Häuptling, allgemein eben: Häuptlinge.

In seltenen Fällen ist es erforderlich, ganz eindeutig bestimmte Individuen oder Exemplare in einen Thesaurus aufzunehmen: z.B. den Häuptling "Winnetou" aus dem gleichnamigen Roman von Karl May, oder den Schauspieler Pierre Piece, das in der Winnetou-Verfilmung von 1966 die Rolle des Häuptlings Winnetou spielt.

Beispiel:

  • Alpha-Mann
    • ISA
      • Häuptling
        • EX
          • Winnetou
            • EX
              • Pierre Piece
      • General
        • EX
          • Napoleon

Es ist sehr schlechter Stil, auf einem Zweig zwei oder mehr EX-Relationen in Folge anzubringen. Das ist für Nicht-Experten verboten! Fast immer ist hier eigentlich ein ISA gemeint: Sobald man in obigem Beispiel auf Schauspieler-Ebene geht, steht "Winnetou" nicht mehr für ein Individuum, sondern für eine Rolle, einen Typ, ein Ideal, eine abstrakte Idee von edlem Helden - und damit also kein Individuum mehr, sondern eine Klasse.

Idealerweise verwendet man EX gar nicht: Uns geht es bei der Thesaurus-Konstruktion um Terminologiearbeit, also um Begriffe. Individuen können hier höchstens exemplarischen (sic!) Charakter haben.

Leserichtung in einer SMM: Von innen nach außen.

Definition nach Merkmal: ALL, SOME

has SOME values from / has ONLY values from (SOME / ONLY)

Auf dem Weg zu formalen Klassifikationen ist es hilfreich anzugeben, durch welche Eigenschaften sich eine Klasse im einzelnen auszeichnet und sich von anderen Klassen unterscheidet. Beispiel:

  • Ein Rappen ist ein Hauspferd, das schwarz ist - und zwar alles daran, komplett
  • Ein Zebra ist ein Pferd, das manche schwarze und manche weiße Stellen hat.

In der Beschreibungslogik OWL2 spricht man hier von sogenannten " property restrictions", insbesondere:

  • SOME: OWL2:ObjectSomeValuesFrom
  • ONLY: OWL2:ObjectAllValuesFrom

Wir wollen ausdrücken können,

  • dass ein Begriff durch eine bestimmte Eigenschaft einer bestimmten Relation gekennzeichnet ist (z.B. "hat_Farbe weiß", "hat_Geschlecht weiblich"),
  • dass diese Eigenschaft mindestens einmal (SOME) oder ausschließlich (ONLY) auftreten darf oder muss.

Beispiel:

  • Pferd
    • ISA
      • Rappen
        • hat_Farbe ONLY
          • schwarz
      • Stute
        • hat_Geschlecht ONLY
          • weiblich
      • Zebra
        • hat_Farbe SOME
          • schwarz
        • hat_Farbe SOME
          • weiß

Leserichtung in einer SMM: von innen nach außen

nach Merkmalen Gruppieren: COLLECTION

Ein wichtiges Strukturierungselement von Thesauri sind Kollektionen: Gruppen von Begriffen, die sich in Bezug auf ein gemeinsames Attribut in ihren Attributwerten unterscheiden.

Beispiel:

  • Pferd
    • COLLECTION
      • Pferd nach Verwendung
        • ISA
          • Rennpferd
            • hat_Verwendung ONLY
              • schlank
              • wendig
              • wird von einem Jockey geritten
          • Karrengaul
            • hat_Verwendung ONLY
              • kann eine Bierkutsche ziehen
      • Pferd nach Farbe
        • ISA
          • Schimmel
            • hat_Farbe ALL
              • weiß
          • Rappen
          • Fuchs
      • Pferd nach Geschlecht
        • ISA
          • Stute
            • hat_Geschlecht ONLY
              • weiblich
          • Hengst
            • hat_Geschlecht ONLY
              • männlich

Mehr zu Kollektionen: http://www.w3.org/TR/skos-primer/#seccollections : aber SKOS geht über den Stoff in GdW weit hinaus.